framerate.de....der tägliche wahn


das schwarze auge:
drakensang

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(490mb, xp /vista)










































































angespielt: drakensang
19. august 2008 von josh

lange, sehr lange ist es her, da habe ich zusammen mit fünf, sechs
wagemutigen oft und gerne ganze wochenenden darauf verwendet, um einen
grossen tisch herum zu sitzen.
bewaffnet mit seltsamen würfeln und jeder menge zettel voll obskurer tabellen
zogen wir los, grandiose abenteuer zu bestehen, heerscharen von monstern
zu schlachten und sagenumwobene schätze aus noch viel sagen-
umwobeneren dungeons zu bergen.
nebenbei wurden tonnenweise cola, pizza, chips und schokolade vertilgt - bier
wollte damals noch keiner. ich sagte ja, es ist wirklich schon lange her :)

als wir später mit ultima, wizardry, dungeon master und schliesslich baldur´s
gate in der ära der computer-rollenspiele angekommen waren, änderte sich
für uns zunächst mal nicht sehr viel.
während sich andere nach kurzem anspielen der elektronischen vertreter
schnell wieder dem klassischen pen and paper zuwandten, haben wir uns
weiterhin getroffen. ein bisschen unbequemer war das jetzt zwar schon, man
sass ja nun etwas beengt vor einem aus heutiger sicht ziemlich kleinen
monitor, und wir haben uns auch manchmal über die seltsam umgesetzten
regeln geärgert - aber hey!
es gab nun auch jede menge bilder zu den geschichten und als ich zum ersten
mal dungeon master gesehen hatte, dachte ich eine ganze zeit lang, ein
rollenspiel könne optisch gar nicht besser umgesetzt werden. auf einmal
bewegten sich die monster und feuerbälle flogen durch die gegend. das war
damals schon der pure wahnsinn.

warum ich das alles erzähle? weil drakensang mich von vorn bis hinten an
diese gute alte zeit der epischen computer-rollenspiele auf zehn disketten
erinnert. drakensang mag viel besser aussehen als die ganzen klassiker, es
steuert sich auch viel komfortabler und doch stellte sich bei mir schon kurz
nach dem netten render-intro dieses gefühl der vertrautheit ein, das man
beispielsweise von einer alten jeans kennt, die man über die letzten jahre
erfolgreich vor der mitspielerin versteckt und damit vor der altkleidersammlung
gerettet hat.

die ersten fünf, sechs spielstunden freue ich mich die ganze zeit über
kleinigkeiten, die ich früher schon gut fand. genauso freue ich mich über
neues, das man von den aktuellen mmos geklaut (hachja, fragezeichen) und
gut ins spiel integriert hat.
doch am allermeisten freue ich mich über die tolle, sehr spannend erzählte
geschichte, die angenehm klassisch, retro oder wie auch immer geartet ist.
angesichts der blutarmen wows und conans unserer tage dachte ich schon,
derart ausgefeiltes erzählen wäre mehr oder weniger ausgestorben.

nicht weiter verwunderlich, dass ich nach den ersten fünf stunden drakensang
zum spiel des jahres küren wollte. dann kamen die zweiten fünf spielstunden.

bei aller freude über elemente aus längst vergangenen tagen gibt es leider
auch einiges zu meckern, hauptsächlich an der technischen umsetzung des
spiels. wie ich oben schon geschrieben habe, sieht drakensang wirklich sehr
schön aus, selbst auf vergleichsweise langsamen rechnern.
um so erstaunlicher, dass die kamera im kampfmodus ein ums andere mal in
eine perspektive flutscht, die jegliche übersicht über bord wirft. prinzipiell ist
das nicht weiter schlimm, da sich eine kampfrunde jeder zeit pausieren lässt,
doch es nervt.

ein noch viel grösseres problem ist der teils sehr unausgegorene
schwiegrigkeitsgrad. die kämpfe sind generell viel zu einfach. vor allem beim
niedermetzeln der unzähligen gegner, die stets vor einem der boss-monster
warten, verkommt drakensang das ein ums andere mal zu einem schnöden
hack and slay.
die vielen taktischen möglichkeiten, die das gut gelungene kampfsystem hier
anbietet - man braucht sie abgesehen von seltenen gefechten gegen bosse
eigentlich nicht, und da auch nicht wirklich. tank vor, fernkämpfer und heiler
dahinter, gut ists - oder eben nicht.

sehr schade finde ich auch, dass die vielen npcs wenn überhaumt nur maximal
einen einzigen satz sprechen, der rest ist textwüste ala morrowind. das hätte
nicht sein müssen, denn das trägt nun wirklich nicht zur atmosphäre bei.

eher eine frage des persönlichen geschmacks denn ein echter fehler ist das
fernreise-system mittels kartenklick samt zufälliger kämpfe gegen monster. das
müsste nicht sein, denn es lähmt für meine begriffe nachhaltig den spielfluss.
aber naja.

doch
keine sorge, drakensang ist ohne frage trotz der meckerliste zwar kein
brillantes, aber doch ein gutes spiel geworden. bei allen unstimmigkeiten ist
die geschichte, die erzählt wird, ganz grosses rollenspiel-tennis. spannend,
atmosphärisch, überraschend, episch. da ist einfach alles drin, was eine
klassische kampagne mitbringen sollte - und das ist für mich nunmal das
wichtigste bei einem rollenspiel
.
unterm strich ist es vielleicht kein baldur´s gate, doch mangels alternativen
kann man das spiel durchaus empfehlen. wer aber diablo, wow oder hdro für
ein rollenspiel hält, der sollte sich unbedingt vorher die demo anschauen.

zum drakensang-thread im forum.