framerate.de....der tägliche wahn

hellgate: london

flagship studios
usk ab 18































































































































































angespielt: hellgate london
15. november 2007 von josh

was habe ich auf dieses spiel gewartet. diablo the next generation, entwickelt
von einer gruppe ehemaliger blizzard-knechte und seiner hochheiligkeit
bill roper himself.

als dann schliesslich mitte oktober die langersehnte demo den weg ins netz
gefunden hatte, beschlichen mich nach der anfänglichen euphorie ganz
langsam die ersten zweifel. das war zwar alles ganz nett, doch so richtig endgültig restlos überzeugt war ich nicht.

moment mal, wieso nicht?
da macht bill roper nach vielen jahren doch noch ein action-rpg ala diablo, und
ich bin dem spektakel trotzdem nicht sofort absolut willenlos verfallen?
ich bin nicht bereit, dem spiel jedes krümelchen freizeit bereitwillig zu opfern?
da stimmt doch etwas nicht.
das kann doch nicht sein.
wird also mit hellgate london (hg:l) wieder ein spiel bei dem tollkühnen
unterfangen, das schwere erbe von diablo anzutreten, scheitern?

sieht so aus. leider.
obwohl hg:l nunmehr seit fast zwei wochen auf meiner festplatte herum-
lümmelt, habe ich erst rund zehn (wenn überhaupt) stunden im spiel verbracht. dabei ist es jedesmal ein tolles gefühl, wenn ich es starte. ich habe dann
wirklich eine menge spass - etwa 30 minuten lang. dann wirds öde. langweilig.
dann spiele ich doch wieder wow.

seltsam, denn
sehr vieles macht hg:l sehr gut, manches sogar besser als das
grosse diablo. die grafik ist nicht wirklich grandios, aber doch mindestens
zeitgemäss. die steuerung unseres helden ist hervorragend, die perspektive je
nach klasse von tomb raider bis ego frei wählbar, was erheblich zur duster-
atmosphäre beiträgt.

die verschiedenen klassen spielen sich aufgrund der verschiedenartigen
fähigkeiten und talentbäume allesamt angenehm unterschiedlich, das inventar
und das questlog sind stets übersichtlich und informativ.
und schliesslich: wie
in diablo findet man wieder unzählige items, die alte sammelwut ist sofort
wieder da.

das klingt doch alles nach einem prima spiel?!?
wäre es auch, wenn,
ja wenn es nicht so furchtbar viele wiederholungen geben würde.
nach nicht
allzu langer zeit bewegt man sich durch die immer gleichen levels
nebst den immer gleichen daraufgepappten texturen. viel zu schnell hat man
das alles schon gesehen. auch wenn alles ganz hübsch ist, ein grafikoverkill
ala crysis ist das eben nicht, weshalb sich in sachen optik schnell eine nicht
gerade dezente langeweile einschleicht. nicht wirklich schlimm, da man die
meiste zeit ohnehin mit monster-abschlachten beschäftigt ist, aber denk-
würdige aha-momente stellen sich nicht ein.

langeweile macht sich gerne auch im questlog breit. manch eine aufgabe
entpuppt sich als variation von „sammle zehn von diesen“ oder „töte zehn von
jenen“ - das war schon in world of warcraft ätzend und wird in hg:l nicht besser.

so richtig
enttäuschend ist die story. die hintergrund geschichte ist nicht gerade
völlig banane, doch ziemlich unausgegoren. ein wenig mehr habe ich da schon
erwartet. ausserirdische haben london überrannt. so so, aha.
wieso eigentlich gerade london?
wieso konnte sich die menschheit denn dagegen nicht wehren?
das ist mindestens schon deshalb reichlich seltsam, da man oft genug im spiel
als einzelner kleiner alien-schlächter ganze strassenzüge problemlos von
diesem fiesen viechzeug befreit. diese schmalspur-ets haben wirklich nicht viel
drauf und trotzdem muss man sich in die ubahnschächte verkriechen? wieso
konnte man ausgerechnet diese strategisch bedeutsamen bahnhöfe gegen das
diabolische gezücht verteidigen? wieso denn nicht auch den rest?

nicht der spiele-weisheit letzter schluss ist neben story und quests auch die
ausgestaltung der npcs. die gesichter der questgeber bieten maximal das
mienenspiel eines gelangweilten legomännchens. die lachen nicht, die weinen
nicht und – was ich persönlich sehr ärgerlich finde – die sprechen nur sehr
wenig. dass ein npc mit einer aufgabe für den spieler ein satzzeichen über dem
kopf haben muss, finde ich zwar nach wie vor albern, ist aber spätestens seit
wow ein quasi-standard. doch an quests, die oft und gerne als viel zu lange und
wenig kreative textwüste daherkommen, werde ich mich wohl nie gewöhnen.
irgendwann klickt man das ganze nur noch bis zum ende durch, um dann im
log die kompakte zusammenfassung zu lesen. das nervt nicht nur gewaltig,
darunter leidet auch düstere endzeit-stimmung, die sich vor allem bei den
gefechten in den dungeons einstellt.

sehr schade finde ich persönlich auch, dass man nur relativ wenige dieser
klassischen render-filmchen im laufe des spiels zu sehen bekommt. auch wenn
man diablo 2 nicht allzusehr mochte, allein schon für diese grandiosen
kurzfilme hat es sich gelohnt, das ding komplett durchzuspielen. rendern kann
blizzard anscheinend viel besser als flagship. oder hatte man dank termindruck
keine zeit mehr? kein geld, keine lust oder - und das ist wohl am
wahrscheinlichsten - keine guten ideen?

tja, schade.
für ein spiel, das sich an diablo messen lassen muss, sind das schon jetzt viel
zu viele unstimmigkeiten - dabei ist meine meckerliste noch nicht zuende.

da wäre beispielsweise noch
das viel zu kleine inventar oder die zumindest
unglückliche vergleichs-funktion der items. anfangs fiel mir das garnicht mal
weiter auf, mit zunehmender spieldauer hätte ich mir das aber anders
gewünscht. meine stimmung wurde übrigends auch nicht eben besser, als ich
gemerkt habe, dass einige talente sich zwar interessant anhören, sich im spiel
dann aber als völlig überflüssig herausstellen.

hossa. alles in allem i
st das gemotze doch deutlich umfangreicher ausgefallen,
als ich anfangs gedacht hätte. denn - ganz ehrlich - trotz aller fehler ist hg:l ganz
ordentlich geworden. aber kein thronerbe.

der grund dafür ist vermutlich viel einfacher als die dinge, die ich oben
beanstandet habe. insgesamt ist das spiel zwar gut, der absolute oberhammer
ist das aber ganz und gar nicht. um ehrlich zu sein hat mich genau das am
meisten enttäuscht: es wird den haushohen erwartungen nicht gerecht. nur gut
zu sein reicht manchmal einfach nicht.

nachdem ich mich nun einige zeit mit hg:l auseinandergesetzt habe, möchte
ich es doch stark bezweifeln, dass jemals ein spiel das grosse diablo beerben
wird. hatte es doch
den einen vorteil, den ein hochgehandelter nachfolger
niemals haben wird:
es war etwas völlig neues.
nicht nur ein neues spiel, nein, ein ganz neues genre. diablo legte die basics
fest, die – wenn auch in abgeänderter form – für jedes spiel dieser art bis
heute gelten.

was sollte das arme hg:l da eigentlich so bahnbrechend neues bringen? die
spielmechanik von diablo ist auch heute noch nahezu perfekt, daran wird sich
wohl auch nichts ändern. folgerichtig konzentriert sich hg:l auf eher zweit-
rangiges, wie die grafik bzw. die perspektive, bietet mehr talente, mehr klassen,
mehr umfang, schlampt dafür aber teils erheblich bei level- und questdesign.

ein
fazit gestaltet sich eher schwierig.
h
ellgate: london ist für meine begriffe nicht der erhoffte meilenstein, den uns
die werbung, die designer und auch ein wenig die demo versprochen haben,
aber unterm strich ist es ganz gut. ein spiel für zwischendurch, das trotz aller
macken aber viel besser ist als titan quest und ähnliche rohrkrepierer.
diablo 2.5 ;)